SO SETZEN SIE IHRE FAHRZEUGVISION IN FAHRZEUGLEISTUNGSZIELE UM
Es gibt zwei Grundvoraussetzungen für die Festlegung von Fahrzeugleistungszielen:
- Die Erstellung eines Kund_innenmarktprofiles (CMP – Customer Market Profile) und
- Benchmarking.
Für das CMP sind einige marktbezogene Daten, wie das geplante Produktionsvolumen, der vorgesehene Fahrzeugpreis, Positionierungsstrategien und Angaben zu Konkurrenzprodukten erforderlich, ebenso wie ein technisches Produktportfolio zum geplanten Fahrzeug, welches z. B. Informationen zu Leistungsstandards, Fahrzeugplattformen und Motortyp enthält. Der CMP sollte in erster Linie reflektieren, was ein Startup mit seinem Fahrzeug am Markt erreichen will, d. h. wen (Zielpublikum) es womit (USP – Unique Selling Proposition/Alleinstellungsmerkmal) ansprechen will.
Sind der Zielmarkt und damit auch die Zielkund_innen bekannt, ist der nächste Schritt die Wettbewerbsanalyse des jeweiligen Marktsegments. Dieser Prozess wird Benchmarking genannt und dient dazu, Startups einen Überblick über das aktuelle Angebot an Konkurrenzprodukten auf ihrem Zielmarkt zu geben. Dabei werden bestimmte Benchmark-Fahrzeuge ausgewählt, auf ihren USP analysiert und mit dem geplanten Eigenprodukt verglichen, um feststellen zu können, wie dessen Erfolgschancen auf dem Markt aussehen.
In Anlehnung an die gewählten Fahrzeug-Benchmarks werden schließlich die konkreten Ziele bestimmt, die das Fahrzeug erreichen soll. Zunächst werden nur die 100 wichtigsten Fahrzeugleistungsziele definiert, die Projektmeilensteine für das Projekt darstellen und somit die Richtung vorgeben, in die sich die Fahrzeugsystementwicklung bewegen soll. Eine der größten Herausforderungen bei der Zieldefinition ist die systemübergreifende Abhängigkeit der zu erreichenden Merkmale. Jede noch so kleine Änderung der Zielvorgaben kann den weiteren Fahrzeugentwicklungsprozess beeinflussen. Erst wenn das Projekt die vereinbarten Fahrzeugziele erreicht hat, kann es schlussendlich den Sprung in die Serienfahrzeugentwicklung schaffen.
DER EINSTIEG IN DIE FAHRZEUGSYSTEMENTWICKLUNG
Die ersten definierten Fahrzeugleistungsziele sind wegweisend für die anschließende Fahrzeugsystementwicklung. Ab Beginn des Systementwicklungsprozesses erhält die technische Dimension des Projektes einen neuen Komplexitätsgrad, der mit jeder Komponente weiter steigt, die das Projekt näher an die Erfüllung der Zielvereinbarung heranführt.
Hersteller verfolgen bei der Entwicklung ihrer Fahrzeugsysteme keineswegs eine einheitliche Linie, sondern gehen dabei sehr unterschiedlich vor. Bei Magna wird jedes System innerhalb eines Fahrzeuges, z. B. das Triebwerk, das ADAS (Advanced Driver-Assistance-System) etc., von einem Modul betreut, dessen Aufgabe es ist, die Systeme zu planen, zu spezifizieren und in das Paket der Gesamtsysteme des Gesamtfahrzeuges zu integrieren sowie diese Systeme zu simulieren, zu testen und später zu validieren. Der Prozess der Funktionsintegration wird von einem Integrated Functional Team, oder I-Team, verwaltet, welches als Mittler zwischen den einzelnen Modulen fungiert und spezifische Gesamtfahrzeugfunktionen wie Gewicht oder Aerodynamik überwacht.
Eine Balance zwischen den einzelnen Modulaufgaben und den übergeordneten Funktionsintegrationsprozessen ist notwendig, um eine sinnvolle Zielvereinbarung zu erstellen. Die ersten Ziele werden während der Konzeptphase immer weiter ausgebaut und konkretisiert, sodass am Ende dieser Phase 100 % der Fahrzeugziele definiert sind. Zunächst wird das Anforderungsprofil für jedes einzelne System, also dessen Aufgaben und Ressourcen, skizziert. Danach können die Stückliste (BOM – Bill of Materials) sowie Zeitpläne für das gesamte Projekt erstellt werden. Es folgt die Festlegung einer Lieferkettenstrategie bzw. das Onboarding von Schlüssellieferanten und letztendlich die Planung der Serienproduktion des Fahrzeuges. Wenn bereits eine Partnerschaft zwischen dem Startup und den Entwicklungs- bzw. Fertigungspartnern besteht, kann es vorteilhaft sein, diese auf die Serienproduktion auszudehnen.